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Siegfrieds Wappen im Nibelungenlied
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AUTOR: Mai, Klaus TITEL: Siegfrieds Wappen und Heldentaten im Nibelungenlied – Legende oder geschichtliche Wirklichkeit? J. SIEBMACHER‘S GROSSES WAPPENBUCH: Ausgewählte Beiträge zur Heraldik, Band 1; 2010. 132 S. mit zahlreichen farb. und s/w-Abb., Festeinband ISBN: 978-3-87947-118-8
Inhaltsverzeichnis [96 KB]
Einleitung [88 KB]
Leseprobe 1 [109 KB]
Leseprobe 2 [115 KB]
Rezension aus AfF 4/2010, S. 155-157
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B U C H C O V E R G R O S S
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Z U M I N H A L T
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Von all den edlen und kühnen Recken, die uns im Nibelungenlied vorgestellt werden, findet einzig Siegfrieds Wappen Erwähnung und Beschreibung. Das mag erstaunen, denn um das Jahr 1200 als das Epos niedergeschrieben wurde, war die „Mode“ der Heraldik noch jung. Andere Liederhandschriften der Zeit bieten eine große Anzahl von Wappendarstellungen. Liegt im Siegfried-Wappen des Liedes der Schlüssel zur einer Identifizierung verborgen?Der Siegfried des Nibelungenlieds hat von seiner Faszination bis heute nichts eingebüßt. Vor allem die Frage nach dem historischen Vorbild dieser Gestalt hat immer wieder die Gemüter erhitzt. Der Verfasser dieses Buches, der bei der Terra-X-Sendung „Der Nibelungencode“ mitwirkte, gibt nun eine neue Antwort auf die Frage: Wer war Siegfried? – In seiner Untersuchung des im Nibelungenlied erwähnten Wappens Siegfrieds kommt er zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Siegfriedsgestalt eng mit dem Königshaus des alten Burgund und den legendären frühen Habsburgern verbunden ist. Neu ist auch sein staatssymbolischer Ansatz, der Verbindungen zu bedeutenden Herrschern der römischen Kaiserzeit und des fränkisch-deutschen Mittelalters herstellt.
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Z U M A U T O R
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Dr. Klaus Mai studierte an den Universitäten Freiburg, Mannheim und Heidelberg Psychologie, Soziologie und Politik. Er promovierte 1976 an der Universität Heidelberg über ein wissenschaftstheoretisches Thema. Danach war er langjährig im Bereich der Justiz und der Polizei tätig, wobei mehrere Publikationen zu verschiedenen Fragestellungen aus der Kriminal-, Sozial- und Kommunikationspsychologie entstanden. Seit einigen Jahren befasst er sich mit alter Geschichte. Er war Koautor der Terra-X-Sendungen: „Das geraubte Gold Jahwes“ und „Der Nibelungencode“. Die vorliegende Arbeit ist das Ergebnis intensiver Forschungen zu den historischen Bezügen des Nibelungenliedes und speziell der Siegfriedfigur.
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R E Z E N S I O N A U S A F F 4 / 2 0 1 0 , S . 1 5 5 - 1 5 7
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Klaus Mai: Siegfrieds Wappen und Heldentaten im Nibelungenlied – Legende oder geschichtliche Wirklichkeit? 132 Seiten, zahlr. farb. Abb., gebunden; Siebmacher’s Großes Wappenbuch, Ausgewählte Beiträge zur Heraldik, Bd. 1, Verlag Degener & Co., Am Brühl 9, 91610 Insingen, 2010; 19,80 Euro
Berührungspunkte zwischen der Literatur des Hochmittelalters und der Heraldik sind nicht neu. Erinnern wir uns nur an Wolfram von Eschenbachs phantasievolle Beschreibung des Heeres von König Artus und der Motivpalette der von ihm genannten „sunderwâpen“ oder der Schilderung des gemeinsamen (also Familien-)Wappens des Gahmuret von Anjou und seines Vaters in Wolframs großem Epos Parzival. Fakt ist längst, dass wir auch im Nibelungenlied nicht nur die literarische Fassung einer hochmittelalterlichen Sagenwelt vor uns haben, sondern sich darin – wie Klaus Mai in seiner verdienstvollen Arbeit erneut bestätigt – „historische Ereignisse, Vorgänge, Personen und Orte“ verbergen, wenngleich in oft schwer zu entschlüsselnder Form. Was das vorgelegte wissenschaftliche Werk des promovierten Psychologen, Soziologen bzw. Politologen Klaus Mai sowie Ko-Autors der renommierten Terra-X-Fernsehreihe so spannend macht, ist ein völlig neuer thematischer Ansatz: Klaus Mai fragt nicht nur nach der möglichen historischen Identität der Hauptperson(en) des – etwa zeitgleich zu Wolfram von Eschenbachs Werk – um das Jahr 1200 in seiner Urfassung niedergeschriebenen, weltberühmten Nibelungenliedes, er versucht eine Beweisführung erstmals über die Brücke der Heraldik. Und das bezogen auf einen Personenkreis, dessen Vita doch rund ein halbes Jahrtausend vor dem Entstehen der klassischen Heraldik anzusetzen ist! In seiner Recherche nähert sich der Verfasser gleichsam auf zwei Wegen der selbstgestellten Themafrage um die Zentralfigur Siegfried: Nachdem in der Handschrift C (Blatt 9r) in den Strophen 215 und 216 tatsächlich ein Wappenmotiv Siegfrieds beschrieben wird (übrigens das einzige im gesamten Nibelungenlied überhaupt!), folgt der Verfasser akribisch sowohl den heraldischen Spuren wie den im Nibelungenlied reichlich vorhandenen und für einen interessierten Laien außerordentlich komplizierten Angaben zur dynastischen Genealogie. Deren Verständnis wird aber durch die ordnende Graphik „Realgeschichtliche Anteile der Siegfriedgestalt“ außerordentlich erleichtert. Klaus Mai führt so mittels mehrfach begründeter Indizien und in behutsamen Schritten den Leser an die historische Identität Siegfrieds bzw. seines Vaters heran, und damit entschlüsselt er die Fundstelle zu Siegfrieds Wappen, die bislang eher als phantasievolle Erfindung des unbekannten Verfassers des Nibelungenliedes eingeschätzt werden konnte, zu einem Beleg für die reale Existenz eines tatsächlichen „Erb- bzw. dynastischen Wappens“. Noch dazu wiederholt das sog. Biterolf-Heldenepos (entstanden zwischen 1254 und 1260) diese heraldische Angabe: In beiden Fällen wird als Schildfigur eine Krone genannt, im Biterolf-Epos dient sie obendrein als Fahnen-Symbol. Während der militärischen Auseinandersetzung Siegfrieds mit den Sachsen – so berichtet uns das Nibelungenlied – erkennt deren König Liudeger seinen Gegner Siegfried anhand des Schildes mit dem Kronensymbol und weiß damit, dass es sich um den Sohn Siegmunds von Xanten handeln müsse. Klaus Mai holt nun über seine penible quellenkritische Forschung tatsächlich die handelnden Personen aus dem Dunstkreis einer bloßen Sage und ordnet sie – zu unserer Überraschung – in die seinerzeitige reale europäische Ereignis- und Territorialgeschichte ein. Die für eine heraldische und personale Zuordnung ansonsten unerlässlichen Farbangaben fehlen zwar im Nibelungenlied; Klaus Mai aber gelingt der schlüssige Beweis, dass die Farbe der Krone blau gewesen sein muss. Und noch mehr: Er identifiziert als zweite Schildfarbe Gold bzw. Gelb, zeigt uns den Zusammenhang mit dem seinerzeitigen Territorium Burgund auf und erkennt das Fortleben des Kronen-Wappens Siegfrieds bzw. das des burgundischen Königs Sigismund (dessen Identität mit Siegfrieds Vater Siegmund von Xanten der Verfasser überzeugend nachweist) sogar im Stammwappen des Hauses Habsburg, dessen roter Löwe in Gold bekanntlich eine blaue Krone trägt (wie uns, ungeachtet anderer blaugekrönter Wappenlöwen in diversen Adelswappen, z. B. ein Blick auf das sog. „Genealogische Wappen“ des Hauses Habsburg-Lothringen bestätigt). Um die auf 130 Seiten komprimierte Stoff-Fülle einordnen und gewinnbringend nachvollziehen zu können, wird der Leser – über eine kurze Einführung in die Heraldik – durch vier sorgfältig gegliederte und reich bebilderte Kapitel geführt, darin u. a. zu Kronenwappen in alten Wappensammlungen, über König Siegmunds Königreich, das austrasische Königtum sowie Austro-Burgund bis zu Siegfried selber als „Ideal des heldischen Herrschers“ und schließlich zur Klärung der personalen Identität Siegfrieds: Demnach „verkörpert der Siegfried im Nibelungenlied zwei historische Siegfriede, von denen der ältere dem 6. Jh. und der jüngere dem 12. Jh. angehört“. Damit aber erfährt die vom Verfasser zur Beweisführung genutzte heraldische Brücke ihre feste Verankerung: Denn zumindest die Vita des zweiten Siegfried ist klar der Entstehungszeit der uns bis heute vertrauten heraldischen Symbol- und Regelsprache zuzuordnen. Und hinter jenem zweiten Siegfried verbirgt sich – nach Klaus Mai – zweifelsfrei König / Kaiser Heinrich VI.; während der erste Siegfried aus einer „Verschmelzung“ zweier ebenso historisch greifbarer Persönlichkeiten entstanden sein dürfte, nämlich aus Sigerich, dem Sohn Sigismunds von Burgund und dem Merowinger Childebert II. Anschauliche Graphiken, genealogische Übersichten (u.a. der Burgunderkönige des Rhone-Reiches und der merowingischen Könige des 6. Jh.), umfangreiche Literaturangaben und exakte Bildnachweise unterstützen die notwendigerweise konzentrierte Lektüre, die man nicht wie einen Roman konsumieren kann, die aber den Leser schließlich mit dem Zugewinn neuer Kenntnisse und der Einsicht in unerwartete historische bzw. kulturgeschichtliche Zusammenhänge belohnt. Der Leser findet – geschickt eingebunden in den anspruchsvollen Text der staatssymbolischen Erklärungen – die vertrauten Kriterien der Siegfried-Sage wieder, ob Unverwundbarkeit, Tarnkappe oder Drachenkampf etc. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte: Selbst Wurzeln der staufischen Erbreichsidee werden erkennbar, deren Reinkarnation bekanntlich später der Habsburger Maximilian I. – verheiratet in 1. Ehe mit Maria von Burgund – mit allen ihm verfügbaren Mitteln (ob durch Krieg oder Heiratspolitik) erneut zu realisieren versuchte. Für die heraldische Forschung eine willkommene Bestätigung der Aussagekraft und Langzeitwirkung heraldischer Motive und Farben. Dem Rezensenten sei dazu ein ergänzendes Beispiel aus eigenen heraldischen Forschungen gestattet: So finden wir die gold-blauen Schrägteilungen (wie sie uns Klaus Mai u. a. in einer Abb. aus dem Jahre 1518 im Wappen des Königs Rudolf II. von Burgund und der Kaiserin Adelheid zeigt) noch Jahrhunderte später u. a. im vermehrten Schild des Königshauses Beider Sizilien wieder (hier als Teilwappen für „Alt-Burgund“): Sie sind deshalb auch Teil des großen Wappen-Drei-Vereins im Palazzo Vendramin-Calergi zu Venedig, mit dem die 1830 endgültig exilierte französische Herzogin von Berry (gebürtige Prinzessin Beider Sizilien) in der Sprache der Heraldik – wenngleich vergeblich – sichtbar für alle Besucher ihres Exils den fernen französischen Königsthron für ihren einzigen Sohn und letzten männlichen Bourbonen der älteren (französischen) Linie, den Grafen Heinrich von Chambord, reklamierte.
Eugen Schöler
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